Die Fundtierverträge regeln die Verwahrung, Versorgung, Pflege und Vermittlung von Tieren, die im Zuständigkeitsbereich der jeweils betroffenen Kommunen aufgegriffen werden. Die Aufnahme und Verwahrung der Fundtiere ist jedoch schon lange nicht mehr kostendeckend. Der Tierschutzverein hat diese Verträge mit den Kommunen zum 31. Dezember 2016 fristgerecht gekündigt.

Von Steve Niewisch, Ralf Domroes (August 2016)

Betroffen von dieser Kündigung sind die Städte Goslar, Langelsheim, Seesen und Clausthal-Zellerfeld sowie die Gemeinden Lutter und Liebenburg. Die Kündigungen waren erforderlich, um die Beteiligungen der Kommunen an den laufenden Kosten des Tierheims zu erhöhen sowie um gemeinsam mit den Vertragspartnern die Finanzierung der notwendigen Baumaßnahmen sicher zu stellen.

Der Kündigungsgrund liegt in den speziellen Anforderungen an die Haltung von Hunden gemäß der Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes. Während einem zur Unterbringung der Tiere in erster Linie die laufenden Verpflegungs-, Betriebs- und Personalkosten in den Sinn kommen, gehen die Vorgaben der Tierheimordnung weit darüber hinaus. So sind Hunde grundsätzlich nur gekennzeichnet an neue Halter abzugeben, wobei die Kennzeichnung mit Mikrochip als optimal gilt. Das Tierheim schlägt dem neuen Halter das Deutsche Haustierregister zur Registrierung vor. Die Hunde müssen gegen die Krankheiten Parvovirose, Leptospirose, Staupe, Hepatitis und Zwingerhusten geimpft werden. Die Seuchenlage entscheidet darüber hinaus, ob zusätzlich gegen Tollwut geimpft werden muss. Und natürlich führen unsere Mitarbeiter vor der Abgabe eines Hundes an einen neuen Besitzer entsprechend zeitaufwändige Vermittlungsgespräche und kontrollieren nach der Vermittlung mindestens einmal die korrekte Haltung des Tieres.

Aber nicht nur bei den Hunden, auch bei allen anderen Tierarten ist der Aufwand gleichermaßen enorm und mit der in den bestehenden Fundtierverträgen vereinbarten Kostenpauschale längst nicht mehr kostendeckend zu erbringen. Dass nebenbei auch noch das Tierheim als solches zu unterhalten, zu modernisieren oder – wie im akuten Fall des Hundehaus-Neubaus – kostenintensiv zu erweitern ist, findet in der bisherigen Kalkulation der Fundtierverträge gar keine Berücksichtigung. Die Existenz des Vereins ist daher momentan durchaus realistisch bedroht.

Wir betonen an dieser Stelle ausdrücklich, dass der Verein nicht das Ende der Fundtierunterbringung als sinnvolle Option sieht – im Sinne unserer Tierschutzaktivitäten wäre das ein fatales Szenario! Jedoch kann es auch nicht sein, dass die Unterbringung der Fundtiere – die für die Kommunen eine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe darstellt – nur dank Spenden und ehrenamtlichem Engagement aufrecht gehalten werden kann. Wenn wir nichts unternehmen, droht auf Dauer die Schließung des Tierheims.

Wir lassen die Kommunen nicht im Stich. Die Kündigung der Fundtierverträge wird die Basis dafür sein, in einem gemeinsamen Gespräch zwischen Verein und beteiligter Kommunen ein neues, faires Gesamtkonzept für die Fundtieraufnahme zu entwickeln. Wir sind von der weiteren Zusammenarbeit überzeugt – ganz im Interesse hunderter Fundtiere, die jährlich Obdach in unserem Tierheim finden.

 

ARKO 6Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 7, August 2016.