Kommunen sind gesetzlich zur Unterbringung von Fundtieren verpflichtet. Verträge mit dem Tierheim regeln die Verwahrung, Versorgung und Pflege der Tiere sowie die Übernahme der Kosten. Da die bestehenden Verträge jedoch nicht kostendeckend waren, hat der Tierschutzverein diese zur Neuverhandlung gekündigt – mit dem Ergebnis, dass sich einige Kommunen für andere Vertragspartner entschieden haben.

Zuständigkeit für Fundtiere ab Januar 2017Bislang war das Tierheim Goslar zuständig für die Fundtiere aus den Städten Goslar, Langelsheim, Seesen und Clausthal-Zellerfeld sowie aus den Gemeinden Liebenburg und Lutter. Während Goslar und Seesen dieser Partnerschaft mit neuen Verträgen treu bleiben, haben Langelsheim, Clausthal-Zellerfeld, Liebenburg und Lutter neue Verträge mit dem Tierheim Eckertal (Bad Harzburg) abgeschlossen. Künftig müssen Fundtiere aus diesen Gebieten daher nach Eckertal gebracht werden.

Die Kündigungen waren erforderlich, weil die Bilanz des Tierheims für 2015 einen finanziellen Aufwand von über 100.000 Euro allein für die Fundtiere aufzeigte, wogegen sich die Fundtierpauschalen der Vertragspartner auf nur 83.000 Euro summierten. Ziel war es, die Kommunen von der vollen Übernahme der anfallenden Kosten zu überzeugen. Denn einerseits ist die Unterbringung der Tiere eine gesetzlich vorgeschriebene Aufgabe, andererseits wird niemand ein Interesse daran haben, dass aufgrund der fehlenden Gelder die Unterbringung der Tiere nicht mehr den Vorgaben der Tierheimordnung des Deutschen Tierschutzbundes entspräche – oder das Tierheim sogar durch die laufenden Kosten in eine existenzbedrohende Lage gerät.

Obendrein sind größere Investitionen – wie beispielsweise der anvisierte Bau des neuen Hundehauses – mit dieser Unterdeckung ein zu großes Risiko. Zwar wird die Finanzierung dieses Vorhabens völlig separat kalkuliert, jedoch muss die Grundversorgung der Tiere vorrangig gesichert sein. Welcher verantwortungsvolle Mensch würde in ein Eigenheim investieren, wenn das bisherige Gehalt nicht mal für den Lebensunterhalt reicht?

Neues Gesamtkonzept - aber keine Gespräche

Entsprechend der gültigen Fristen wurden alle Kommunen frühzeitig im Sommer 2016 über die Kündigung der Verträge zur Fundtieraufnahme informiert, mit dem Hinweis auf die gemeinsamen Gespräche über ein neues, für alle Vertragspartner faires Gesamtkonzept. Doch noch während dieses Konzept ausgearbeitet wurde, konfrontierten uns Clausthal-Zellerfeld, Langelsheim, Liebenburg und Lutter überraschend mit bereits geschlossenen Verträgen mit dem Tierheim Eckertal.

Diese Entwicklung ist bedauerlich. Einerseits, weil unser mutiger Schritt, die bestehenden Verträge zu kündigen, von den Kommunen umgehend genutzt wurde, künftig noch weniger für die Tierunterbringung ausgeben zu müssen. Andererseits, weil sich unsere Vorstellung, man könne gemeinsam mit allen Beteiligten das Gespräch suchen und die sehr erfolgreiche Zusammenarbeit auf solider finanzieller Basis fortsetzen, als naiv herausgestellt hat. In wie weit die Unterbringung für eine geringere Kostenpauschale künftig im Interesse der Tiere sein wird, wagen wir nicht zu beurteilen. Das Tierheim Eckertal wird offenbar trotz reduzierter Beträge und ohnehin knappem Budget Möglichkeiten zur Kosteneinsparung gefunden haben, um die umfangreichen Auflagen der Tierheimordnung einhalten zu können.

Ralf Domroes, 1. Vorsitzender des Vereins, zeigt sich sehr enttäuscht von dieser Entwicklung. „Wir kämpfen seit Jahren darum, dass die Kommunen sich ihrer Verantwortung der Verpflichtung zur Fundtieraufnahme stellen, sich nicht nur anteilig an den Kosten beteiligen und lapidar von ‚Zuschüssen‘ sprechen, sondern für alle realen Kosten zur Unterbringung aufkommen. Wenn diese Gemeinden zu niedrigeren Konditionen anderweitig Verträge abschließen, wird unser Versuch, der durch den Deutschen Tierschutzbund unterstützt und sogar gefordert wird, unterlaufen.“

Übernahme von Fundtieren ab 2017

Für die Fundtiere – und deren Finder – heißt es also ab 1. Januar 2017: kommen sie aus Clausthal-Zellerfeld, Langelsheim, Liebenburg und Lutter, sind sie ins Tierheim Eckertal zu bringen, selbst wenn die Fahrtroute am Goslarer Tierheim vorbeiführt. Unser Tierschutzverein ist zur Aufnahme dieser Tiere nicht mehr berechtigt. Und für die Fundtiere, die vor diesem Stichtag aus diesen Kommunen übermittelt worden sind, bedeutet dies leider auch, dass sie entsprechend der neuen Verträge aus unserem Heim abgeholt und in das zuständige Tierheim umgesiedelt werden müssen.

Lediglich für Fundtiere aus den Stadtgebieten Goslar und Seesen ändert sich ab Januar nichts. Dass diese beiden Kommunen die Kosten für die Fundtierbetreuung in einem realistischeren Rahmen akzeptieren, der Tierschutz also einen höheren Stellenwert einnimmt, ist immerhin ein ermutigender Lichtblick.