Das bestehende Hundehaus im Goslarer Tierheim erfüllt schon seit Jahren nicht mehr die Anforderungen an eine für die Tiere angemessene Unterbringung. Ein Neubau ist dringend erforderlich, doch die dafür aufzubringende Gesamtsumme kann der Verein mit eigenen Mitteln nicht stemmen. Die Kommunen, die den Tierschutzverein mit der Aufnahme der Fundtiere beauftragt haben, stehen in der Verantwortung.

Von Ralf Domores (August 2016)

Folgen wir der Argumentation des Deutschen Tierschutzbundes, so müsste es eine Diskussion darüber, wer den notwendigen Neubau sowie die Sanierung des alten Hundehauses zu finanzieren hat, eigentlich gar nicht geben: zu 100 Prozent die beteiligten Kommunen, lautet die Antwort. Punkt. Aus. Fertig.

Fertig? So einfach ist es dann leider nicht. Die Kommunen werden nur ihren zumutbaren Anteil an der Gesamtsumme leisten können. Diese Beteiligung wird eine große Finanzierungslücke hinterlassen, die es zu schließen gilt. Daher ist es im Interesse der uns anvertrauten Tiere von essentieller Bedeutung, entsprechende Unterstützung durch Industrie und Wirtschaft sowie von privaten Tierfreunden zu erhalten.

Die veranschlagte Gesamtsumme beläuft sich auf 270.000 Euro netto für das neue Hundehaus sowie 100.000 Euro für den Umbau des alten Hundehauses. Diese Summen erscheinen zunächst extrem hoch, haben ihre Ursache aber in den besonderen gesetzlichen Anforderungen an die Haltung von Hunden im Heim.

Hohe bauliche Anforderungen

Entwurf zum Hundehaus-NeubauBeim Bau des neuen Hundehauses sowie beim Umbau des alten Hauses sind sehr hohe bauliche Anforderungen zu beachten, welche die Tierschutz-Hundeverordnung (TierSchHuV) als die gesetzliche Grundlage, die Vorgaben des Deutschen Tierschutzbundes im Rahmen der Tierheimordnung (ohne Gesetzeskraft, aber für uns als angeschlossener Tierschutzverein verbindlich) sowie die zu erwartenden Auflagen des zuständigen Veterinäramtes des Landkreises Goslar definieren. Die folgende, nicht abschließende Aufzählung soll einen ungefähren Eindruck vermitteln, weshalb ein modernes Hundehaus 270.000 Euro veranschlagt:

  • Mindestens 20 Hundeboxen/Zwinger sind notwendig
  • mit einer Bodenfläche von mindestens 10 m² pro Zwinger nach Maßgabe des § 6 Abs. 2 TierSchHuV in Abhängigkeit von der Größe des gehaltenen Tieres.
  • Tageslichteinfall gemäß § 5 (1) TierSchHuV.
  • Die Fläche der Öffnungen für das Tageslicht muss gem. § 5 Abs. 1 Satz 2 TierSchuHuV grundsätzlich mindestens ein Achtel der Bodenfläche betragen (dies gilt zumindest für den Altbau, da den Hunden hier nicht durchgehend ein Auslauf ins Freie zur Verfügung steht).
  • Blick aus dem Gebäude heraus gemäß § 6 Abs. 3 Satz 5 TierSchHuV.
  • Bei geringem Tageslichteinfall sind die Räume zusätzlich entsprechend dem natürlichen Tag/Nacht-Rhythmus zu beleuchten.
  • In den Räumen muss eine ausreichende Frischluftversorgung sichergestellt sein.
  • Die Beheizbarkeit des Hundehauses ist erforderlich, da auch Tiere gehalten werden, die nicht an niedrige Temperaturen angepasst sind (Wohnungshunde); eine Mindesttemperatur von 15 Grad ist anzustreben.
  • Möglichkeit zur Gruppenhaltung von verträglichen Tieren zur Ermöglichung von Sozialkontakten gemäß § 2 Abs. 2 TierSchHuV.
  • Auslauf im Freien außerhalb des Zwingers gemäß § 2 Abs. 1 TierSchHuV.
  • Einem einzeln gehaltenen Hund ist gemäß § 2 Abs. 3 TierSchHuV mehrmals täglich die Möglichkeit zum länger dauernden Umgang mit Betreuungspersonen zu gewähren, um das Gemeinschaftsbedürfnis des Hundes zu befriedigen.

Darüber hinaus gibt es Aspekte, die aufgrund der speziellen Situation und Lage unseres Tierheims an der Clausthaler Straße zu berücksichtigen sind, beispielsweise die Mehrkosten für den Schallschutz aufgrund des nahgelegenen Campingplatzes. Auch generell notwendige Maßnahmen zum Brandschutz, gesetzliche Hygienebestimmungen, zur Arbeitssicherheit, die Kosten zur Erstellung des Bau- und Kostenkonzepts durch externe Experten oder manche freiwillige, jedoch im Interesse der Tiere notwendige Zusatzausstattung fließen in diese Kalkulation mit ein.

Bewusst haben wir uns bei der Planung gegen die einfachste und billigste Lösung entschieden. Die Baukosten sind nicht hoch, sondern angemessen – angemessen für einen Neubau, der auch noch in dreißig oder vierzig Jahren Bestand hat, sämtliche gestellte gesetzliche Bedingungen und Auflagen erfüllt und den untergebrachten Hunden durch große Glasflächen zur ausreichenden Beleuchtung sowie komfortable Ruhezonen ein Mindestmaß an „Wohnkomfort“ bietet. Alle Versuche, die Gesamtkosten zu drücken, standen im Konflikt mit bestimmten Auflagen, die zu erbringen sind. Je nach Lage der Dinge – sprich: der vorhandenen finanziellen Mittel – wäre es jedoch denkbar, das neue Hundehaus als Teilausbau in modularer Bauweise (für später finanzierbare Erweiterungen) zu konzipieren.

Weiternutzung des alten Hauses

Kann so nicht bleiben: das alte Hundehaus im Tierheim GoslarDas Gesamtvorhaben berücksichtigt den Umbau des bisherigen Hundehauses zur weiteren Nutzung, jedoch wird sich die Kapazität unter Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen von bisher 20 auf nur noch sieben Plätze verringern. Dies ist weder für den Einzugsbereich unseres Tierheims ausreichend, noch entspricht es den gewünschten 20 Boxen des zuständigen Veterinäramts, so dass der alleinige Umbau des alten Hauses in keiner Weise ausreichend ist. Zudem könnten während der Bauzeit keine Tiere im Tierheim untergebracht werden.

Ohnehin ist für das alte Gebäude ein Komplettumbau und eine Modernisierung inklusive neuem Dach, neuer Fliesen, neuer Dämmung, neuer Versorgungsleitungen etc. notwendig – diese Maßnahmen kommen einem Teilabriss und -neubau gleich. Hinzu kommen die Ausläufe in Richtung Campingplatz und die dafür nötigen Schallschutzmaßnahmen und die ggf. im Rahmen der Umbauten nötige Verlegung der Katzenquarantäne.

Die Kalkulation für diese Maßnahmen zur Nachnutzung beläuft sich auf die bereits genannten 100.000 Euro. Sollte es im ungünstigsten Fall nicht gelingen, das Gesamtpaket aus Neu- und Altbau zu stemmen, so wäre ein Umbau des alten Hauses auch zu einem späteren Zeitpunkt denkbar. Der Umbau allein ohne Neubau ist aus den genannten Gründen jedoch keine Option.

Die Rolle der Kommunen

Warum werden die Kosten nicht in voller Höhe von den Kommunen übernommen? Zumindest für die Stadt Goslar stellt sich diese Frage, hat doch Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk anlässlich seiner Rede im Rahmen des Schützenfrühstücks zum Schützenfest 2016 vollmundig verlauten lassen, der Stadt ginge es blendend, die finanzielle Situation sei top; Gelder in Millionenhöhe wären für Investitionen verfügbar… Realistisch betrachtet wird aber sehr schnell Ernüchterung eintreten, wenn Kommunen die Flüchtlingsdebatte, den vorhandenen Zukunftsvertrag, die allgemein unsicheren Zukunftsprognosen und andere, vermeintlich belastende Sachverhalte aufzählen werden, um im üblichen Spiel der politischen Kräfte Teilkosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen.

Gewiss ist jedoch: die Kosten müssen aufgebracht werden, weil ansonsten die Schließung des Tierheims droht. Und nach unseren intensiven und ernüchternden Recherchen gibt es sonst in Niedersachsen keine Institutionen (z.B. Stiftungen oder die Landespolitik in Hannover), die gezielt Tierheime unterstützen.

Auf geht’s!

Aus Eigenmitteln – dank Spenden und Erbschaften der letzten Jahre – kann der Tierschutzverein rund 100.000 Euro aufbringen. Natürlich rechnen wir ebenfalls mit einem großen Anteil, der von den Kommunen erbracht wird. Die Verhandlungen über neue Fundtierverträge sollen ergänzend die grundlegend angespannte finanzielle Lage bei der Fundtierunterbringung verbessern. Umfassende und hoffentlich im Sinne der Tiere erfolgreiche Gespräche werden wir in diesem Spätsommer führen.

Darüber hinaus wird der Verein aber auch auf die Spendenbereitschaft der Wirtschaft und der Bürgerinnen und Bürger angewiesen sein. In welchem Umfang dies nötig und in welcher Form dies geschehen wird, wird sich zeigen, nachdem die Kommunen sich der Bedeutung des Tierschutzes im Allgemeinen und ihrer rechtlichen Verpflichtung der Fundtierunterbringung im Besonderen klar geworden sind.

 

ARKO 7Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 7, August 2015.