Stellungnahme des Tierschutzvereins zur Kampfhundesteuer der Stadt Goslar (27. März 2015)

Von Sabine Reichardt, 2. Vorsitzende

KampfhundsteuerDie Stadt Goslar verlangt höhere Steuern für Kampfhunde. Doch sind sie begründet? Ja – jedoch einzig allein mit dem Zweck, die leeren Kassen der Stadt zu füllen. Gegenüber den Tieren und Tierhaltern ist diese Steuer eine Farce.

Die Idee, die Gefährlichkeit eines Hundes einer bestimmten Rasse zuzuordnen, wird von einem hundeunerfahrenen Menschen stammen. Sicherlich, Pitpull, Staffordshire und Co. können gefährlich sein, wenn sie vom Menschen abgerichtet werden. Aber das können andere Hunderassen unter diesen Bedingungen ebenfalls. Die Gefährlichkeit eines Hundes begründet sich nicht in seiner Rasse, sondern in seiner Erziehung und Auslastung durch seinen Besitzer. So genannte Kampfhunde haben vielleicht eine höhere Beißkraft als andere Rassen, jedoch liegt kein Kampfhund in der Liste der Beißstatistik vorn, sondern der Schäferhund! Eben dieser zahlt jedoch den Normalsteuerbetrag. Womit also begründet die Stadt diese Steuer?

Hinzu kommt, dass die ordnungsgemäß angemeldeten „gefährlichen“ Hunde meist gar nicht gefährlich sind. Dagegen sind tatsächlich aggressive Tiere oft nicht registriert und angemeldet, fallen durch das Raster der Behörden und entgehen so der Steuer. Damit fehlt jegliche Sinnhaftigkeit einer begründeten überhöhten Steuer.

Der Tierschutzverein Goslar und Umgebung bittet die Stadt Goslar dringend, die erhöhte Kampfhundesteuer umgehend zu überdenken und zu revidieren! Diese Kampfhundesteuer wird dazu führen, dass Menschen, die sich diese Steuern nicht mehr leisten können, ihre Hunde aussetzen. Darüber hinaus müssen wir uns für unser Tierheim nun Gedanken machen, wie die bei uns als Kampfhunde eingestuften Tiere überhaupt wieder zu vermitteln sind. Wer übernimmt einen Hund aus dem Tierheim, der mit über 800 Euro Steuern im Jahr belegt ist?

Andere Städte und Gemeinden sind hinsichtlich der Hundesteuer fortschrittlicher – nicht selten sind vermittelte Tierheimhunde von der Steuer befreit. Mit diesem vorbildlichen Weg wird ein zusätzlicher Anreiz geschaffen, sich bei einer Hundeanschaffung zuerst im Tierheim umzusehen. Die Stadt Goslar dagegen wählt den eindeutig schlechteren, aus Sicht der Tiere sowie für deren Halter unfairen Weg.

Bei unserer zuletzt aus dem Tierheim vermittelten Staffordshire-Hündin haben wir auf die Frage einiger Interessenten, ob die Hündin beißt, antworten können „Nein, aber sie küsst gut!“.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, bitte überdenken Sie Ihre Hundesteuerpraxis!

Im Namen des Tierschutzvereins Goslar und Umgebung e.V.
Sabine Reichardt, 2. Vorsitzende

 

Antwort von Oberbürgermeister Dr. Oliver Junk (27. März 2015)

Ja, die Stadt Goslar erhebt höhere Steuern für sog. Kampfhunde. Aber der Tierschutzverein irrt gewaltig. Es ging und geht dabei nicht darum, den Haushalt der Stadt Goslar zu retten. Vielmehr versucht die Stadt Goslar durch den erhöhten Steuersatz für sog. Kampfhunde, die Haltung dieser bestimmten Rassen zu begrenzen. Und ich persönlich (Hundefreund und Hundehalter) halte es auch für richtig, die Haltung von Hunden mit gesteigerter Aggressivität und Gefährlichkeit zu begrenzen. Und wir steuern eben durch Steuern.

Ich könnte mir allerdings durchaus vorstellen, dass wir die städtische Regelung modifizieren. Denkbar wäre es, Steuerreduzierungen für die sog. Kampfhunde vorzunehmen, wenn ein Wesenstest vorgelegt wird, der die Unauffälligkeit des Hundes bescheinigt. Vielleicht gibt es auch noch bessere Gedanken.

Nochmal: Der erhöhte Satz für Kampfhunde ist eine völlig zu vernachlässigende Haushaltsposition. Die damit verbundene Regelungsfunktion und Begrenzungsfunktion halte ich für nicht unwichtig. Also, lasst uns ins Gespräch kommen und eine vielleicht noch bessere Regelung erarbeiten.