Anfang September 2015 wurden fünf Katzenkinder aus Wasserrohren am Goslarer Energieforschungszentrum (EFZN) gerettet - mit Hilfe der Feuerwehr, einem Kamera-Roboter und unerwartet viel Geduld.

Von Jasmin Bergmann und Steve Niewisch

Katzenrettung am EFZNEin Hausmeister des Energiefoschungszentrums vernahm morgens die Katzen-Hilferufe auf dem Gelände und informierte eine Mitarbeiterin des Goslarer Gebäudemanagements. Welch glücklicher Zufall, dass diese Mitarbeiterin ebenfalls Katzenhalterin und Tierschützerin ist.

Die Feuerwehr wurde um Mithilfe bei der Rettung gebeten. Die Einsatzkräfte machten zunächst eine Katze in einem Fallrohr ausfindig, welches in einem Regenwasserkanal mündete. Mit Leckerlies gelang es, das Tier aus seinem Versteck zu locken. Bereits den Rückzug vor Augen, vernahmen die Feuerwehrleute erneut ein Mauzen, und entdeckten eine zweite, später noch eine dritte Katze, die beide mit viel Geschicklichkeit und Fingerspitzengefühl befreit werden konnten.

Drei Stunden später erreichte die Einsatzkräfte erneut ein Hilferuf. Wieder wurde das Mauzen einer Katze vernommen, diesmal aus einem anderen Fallrohr am gleichen Gebäude. Der zweite Einsatz stellte sich ungleich komplizierter dar: die Katzen ließen sich nicht anlocken und waren nicht aus ihrer Lage zu befreien. So musste das Unternehmen Eurawasser einen Kamera-Roboter einsetzen, der die Tiere ausfindig machte. Das Gefährt alleine konnte die Katzen jedoch auch nicht dazu bewegen, den Weg ins Freie anzutreten - erst nach zahlreichen Bemühungen, zuletzt mit dem vorsichtigen Einsatz mit etwas Wasser, kamen die Kätzchen Nummer vier und fünf ans Tageslicht - nass, schmutzig, aufgeregt, aber gerettet.

Die Mitarbeiterin des Goslarer Gebäudemanagements nahm die Katzenkinder für die erste Nacht in ihre Obhut und stellte sie sofort einem Tierarzt vor. Alle Kätzchen waren zwar durchnässt, aber putzmunter und kerngesund.

Am nächsten Tag fanden die Katzenkinder den Weg ins Goslarer Tierheim. Trotz ihres aufregenden Abenteuers waren alle fünf den Pflegern gegenüber sofort sehr aufgeschlossen. Sie fraßen gut und entwickelten sich prächtig. Wie im Tierheim üblich wurden alle Kätzchen entwurmt, mit der achten Woche geimpft und mit einem Transponderchip versehen.

Und die Katzenmutter?

Dem aufmerksamen Hausmeister des EFZN ist es zu verdanken, dass auch das Muttertier nur wenige Tage nach der Rettungsaktion ihrer Kinder mit Hilfe einer Lebendfalle eingefangen werden konnte. Immer wieder schlich die Katzenmutter über das Grundstück zu jener Stelle, an der die Katzenkinder offensichtlich in das Rohr gefallen waren.

Katzenrettung am EFZNIm Tierheim war das Interesse der Mutter an ihren Kindern dann leider nicht sonderlich groß. Wahrscheinlich trugen die Kätzchen inzwischen schon zu sehr den menschlichen Geruch an sich, handelte es sich doch bei der Mutter um eine verwilderte Hauskatze, der jegliches Zutrauen zum Menschen fehlte. Um weder der Katzenmutter, noch den Katzenkindern weiteren Stress zuzumuten, wurde nach Rücksprache mit dem betreuenden Tierarzt beschlossen, die Mutter zu kastrieren und sie schnellstmöglich wieder in die Freiheit zu entlassen. Ihre Katzenkinder waren ja inzwischen so selbstständig, dass sie eigenständig feste Nahrung zu sich nahmen.

Inzwischen lebt das kastrierte und gekennzeichnete Muttertier wieder auf dem Grundstück des Energieforschungszentrums. Mitarbeiter versorgen sie mit Futter und achten darauf, dass es ihr gut geht. Und auch ihre fünf Kinder, herangewachsen zu stattlichen Jungkatzen, haben alle ein neues Zuhause gefunden.

 

ARKO 6Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 6, Dezember 2015.