Der Handel mit illegal importierten Welpen ist für kriminelle Organisatoren sehr lukrativ. Leidtragende sind die als „Gebärmaschinen“ missbrauchten Muttertiere und die in Massen „produzierten“ und durch Europa gekarrten Welpen, von denen viele frühzeitig sterben. Ertappt werden die skrupellosen Händler leider nur selten.

Von Steve Niewisch / Deutscher Tierschutzbund e.V.

Illegaler Welpenhandel - Quelle: Deutscher Tierschutzbund e.V.Eine Anfang Dezember 2016 durch den Deutschen Tierschutzbund veröffentlichte Datenauswertung der Jahre 2014 und 2015 liefert Fakten zu den illegalen Tiertransporten: Insgesamt wurden 2015 neben Mischlingen Hunde von 38 verschiedenen Rassen vorgefunden, 2014 von 31 Hunderassen. Die häufigste Rasse war der Chihuahua, ebenso betroffen waren u.a. Malteser, Pinscher, Spitz, Akita Inu und Französische Bulldogge. Die Tiere kamen in erster Linie aus Ungarn, Bulgarien und Rumänien. In beiden Jahren war Deutschland der Hauptbestimmungsort für den Verkauf der Welpen. Im Ausland standen Großbritannien und Belgien an erster Stelle der Zielländer, dicht gefolgt von Spanien.

Das in den bekannten Fällen tierärztlich geschätzte Alter der Welpen variierte zwischen zwei und 15 Wochen. Etliche der Tiere wurden daher nachweislich viel zu früh vom Muttertier getrennt. Viele sind, auch durch die Strapazen der langen Transportfahrten, geschwächt und kaum überlebensfähig. Während verantwortungsbewusste Züchter junge Hunde frühestens nach der achten Woche vom Muttertier trennen, bleiben sie bei den illegalen Tierhändlern in der Regel nur zwei bis vier Wochen bei der Mutter. Die Folge: Massive Verhaltensprobleme der Tiere, zum Teil bis ins Erwachsenenalter.

Auch Katzen betroffen

Dass neben Hundewelpen auch Katzen vom illegalen Handel betroffen sind, zeigt ein aktueller Fall in Bayern: 27 Katzenbabys im Alter zwischen acht und zehn Wochen sind Anfang Dezember 2016 an der Grenze zu Tschechien beschlagnahmt worden. Das Alter in den Papieren war gefälscht, die vorgeschriebene Tollwutimpfung kann somit nicht vorliegen. Die Tierschützer gehen davon aus, dass die Tiere als Weihnachtpräsente in den Handel gebracht werden sollten.

Dunkelziffer ein Vielfaches höher

Zur Auswertung wurden Fälle berücksichtigt, die durch Medienberichte und durch Abfrage betroffener Tierheime bekannt geworden sind. Sie spiegeln lediglich einen kleinen Teil der tatsächlich illegal gehandelten und durch Deutschland transportierten Welpen wieder; die Dunkelziffer ist um ein Vielfaches höher. Der Deutsche Tierschutzbund geht sogar davon aus, dass der Tierhandel derartige Ausmaße erreicht hat, dass er als drittwichtigster Zweig für das organisierte Verbrechen gelten könne.

Unser dringender Appell: Fallen Sie nicht auf dubiose Kleinanzeigen oder Internet-Angebote herein. Die vermeintlichen Schnäppchen sind nicht nur auf Kosten der jungen Hunde erkauft, sondern auch äußerst kurzsichtig: Entgegen den Versprechungen der Händler sind die Welpen nicht geimpft. Es fehlen Begleitpapiere wie der Heimtierausweis und auch die Kennzeichnung oder Tätowierung. Wenn Sie sich für ein Tier als Familienmitglied interessieren, schauen Sie immer zuerst im Tierheim vorbei - hier warten viele Tiere auf ein neues Zuhause.

 

ARKO 8Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 8, Dezember 2016.