Im Juni hat Patrick Courteaux, Chef des Hotels "Der Achtermann", eine an die Stadt Goslar gerichtete Petition gestartet, deren Ziel es ist, das Betteln mit Hunden in der Stadt zu verbieten. Wir als Tierschutzverein unterstützten diese Forderung, da wir in diesen Fällen das Tierwohl gefährdet sehen.

Von Sabine Reichardt
2. Vorsitzende des Tierschutzvereins Goslar und Umgebung e. V.

Seit geraumer Zeit sieht man in unserem Stadtbild Bettler mit Hunden. Die Tiere sind meist entweder sehr jung und niedlich oder besonders mitleiderregend, und manch tierlieber Mensch zückt umgehend seine Geldbörse, um zu spenden und vermeintlich Gutes zu tun. Jedoch: diese Form der Bettelei mit Hunden ist organisiert: die Tiere werden nur für den Zweck der Herzerweichung eingesetzt und haben selbst am wenigsten davon. Mit Tierliebe hat das nichts zu tun.

Es heißt, dass die Hunde an die Bettler „vermietet“ werden. Es wurde uns berichtet, dass an einem Treffpunkt morgens die Hunde zugeteilt werden und der Bettelplatz abgesprochen wird. Später wird dann das erbettelte Geld kassiert und die Hunde werden wieder eingesammelt. Aber was passiert dann mit den Tieren? Wo befinden sie sich nachts, wer kümmert sich und wie werden sie behandelt? Wie geht es mit den Hunden weiter, wenn sie älter und nicht mehr zum Betteln gebraucht werden? Fragen, die Antworten fordern.

Es liegt außerdem die Vermutung nahe, dass die Hunde mit Drogen ruhiggestellt werden. Sie liegen oft schlafend und müde daneben. Das allein ist schon Tierquälerei.

Rechtlicher Rahmen

Die Behörden scheinen den Bettlern gegenüber machtlos. Jeder kann sich in die Fußgängerzone setzen und um Geld betteln. Die begleitenden Hunde sind meist in einem augenscheinlich "guten Zustand", so dass das Veterinäramt, das zuständig wäre, wenn es um Tierwohlgefährdung geht, nicht eingreift.

Jedoch gäbe es durchaus Möglichkeiten für das Ordnungsamt, gegen diese Methode vorzugehen. Das Tierschutzgesetz gibt vor, dass „wer Tiere gewerbsmäßig zur Schau stellen will, der Erlaubnis der zuständigen Behörde bedarf" (§ 11, Abs. 1). Da das Betteln mit Gewinnerziehungsabsicht erfolgt, ist dieser Punkt durchaus gegeben. Und das Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden (NHundG) schreibt dem Halter den Sachkundenachweis, die elektronische Kennzeichnung, eine Haftpflichtversicherung und den Eintrag ins zentrale Hunderegister vor. Hier könnte das Ordnungsamt per Kontrolle eingreifen und bei Nichteinhaltung mit verhängten Geldbußen abschrecken.

Aber auch ohne ein Verbot kann jeder einzelne dazu beitragen, diese organisierte Bettelei zu verhindern: indem niemand mehr Geld gibt. So unangenehm und unrentabel wie möglich sollte es für die organisierten Bettler gemacht werden, damit sich deren Methode in dieser Form nicht mehr lohnt. Wenn Sie tierlieb sind und spenden möchten, machen Sie es dort, wo es auch tatsächlich den Tieren zugutekommt.