Dass man auch im Urlaub nicht auf seinen vierbeinigen Freund verzichten möchte, ist nachvollziehbar. Damit Mensch und Tier im Urlaub aber die gewünschte Entspannung finden, ist so einiges an Vorbereitung nötig. Unser Ratgeber verschafft Ihnen einen Überblick.

Von Steve Niewisch

Mit dem Hund auf ReisenMöchten Sie mit Ihrem Hund in den Urlaub fahren, stellt sich zunächst die Frage nach der bestmöglichen Unterkunft. Ferienwohnungen, Ferienhäuser oder Campingplätze bieten sich an, auch werben zahlreiche hundefreundliche Hotels um vierbeinige Gäste. In Reisebüros können Sie vorab erfahren, inwieweit Hunde im ausgesuchten Hotel, am Strand etc. erwünscht sind. Überlegen Sie jedoch auch selbst, ob ein Hotelaufenthalt zum Charakter des Tieres passt: nimmt der Hund beispielsweise das Zimmer auseinander, während die Familie im Restaurant speist, so kann dies die Urlaubsentspannung empfindlich stören.

Vor einer Auslandsreise machen Sie sich grundsätzliche Gedanken, ob Sie Ihr Tier den Strapazen einer langen Anreise aussetzen möchten bzw. können. Auch die hohen Temperaturen in südlichen Reiseländern sind für Hunde alles andere als erholsam. Befragen Sie vor Urlaubsantritt Ihren Tierarzt nach möglichen Risiken, die im gewünschten Urlaubsland bestehen.

Klären Sie insbesondere, ob dort die für Hunde gefährliche Leishmaniose-Krankheit übertragen werden kann. Die Leishmaniose- Infektionsrate von Hunden ist besonders im Mittelmeerraum stellenweise sehr hoch; in gefährliche Gebiete sollten Sie gar nicht erst mit dem Tier verreisen.

Heimtierausweis, Einreise bestimmungen, Gesetze

In vielen Ländern sind länderspezifische Vorschriften für bestimmte Rassen zu beachten. Informieren Sie sich rechtzeitig vor Reiseantritt über die Einreisebestimmungen des Reiselandes. In den meisten Fällen sind Gesundheitszeugnisse, Untersuchungen oder Impfungen notwendig, die manchmal auch innerhalb einer bestimmten Frist stattzufinden haben. Bei Reisen in EU-Länder ist der EU-Heimtierausweis, den Sie bei Ihrem Tierarzt erhalten, mit aktuellen Impfdaten Pflicht. Für nach dem 3. Juli 2011 geborene Tiere ist zudem die Kennzeichnung mit einem Transponder vorgeschrieben, die einfache Tätowierung ist nicht mehr ausreichend.

Vorbereitung vor der Reise

Neben dem EU-Heimtierausweis gehört in das Reisegepäck ein Transportkorb, ein Maulkorb (ist in einigen Ländern Vorschrift), eine Leine sowie ein Körbchen oder die gewohnte Hundedecke. Je nach Tier benötigen Sie auch Bürste, Kamm, Handtuch, Spielzeug. Für das „Geschäft“ denken Sie an Plastiktüten und ggf. Schaufel.

Vor allem bei Auslandsaufenthalten ist es ratsam, das gewohnte Futter mitzunehmen. Viele Hunde sind hinsichtlich der Ernährung im wahrsten Wortsinn Gewohnheitstiere, die übliche Futtermarke ist im Ausland oft nicht erhältlich und die plötzliche Umstellung auf ein anderes Futter kann für einige Hunde unangenehm werden.

Besondere Aufmerksamkeit muss man der Reiseapotheke widmen, die am besten mit einem Tierarzt zusammengestellt wird. Dort hinein gehört ein Vorrat aller wichtigen Medikamente, die der Hund ständig einnehmen muss, sowie Mittel gegen Reisekrankheit und Durchfall sowie Beruhigungsmittel; ebenso Wundspray, Desinfektionsmittel, Augen- und Ohrentropfen, Verbandsmaterial und eine Zeckenzange. Ganz wichtig ist, sich bereits vor Reiseantritt die Kontaktdaten eines Tierarztes im Urlaubsort zu besorgen, um für einen Ernstfall gewappnet zu sein. Ebenso sollte man die Nummer und Kontaktdaten der eigenen Haftpflichtversicherung parat haben.

Anreise mit dem Auto

Wenn Sie Ihren Hund mit auf eine Autoreise nehmen sollten, beachten Sie folgende Hinweise:

  • Legen Sie die Reisezeit möglichst in die kühleren Morgen- oder Abendstunden, um Hitzeprobleme zu vermeiden.
  • Geben Sie dem Hund einen schattigen Platz ohne Sonnenlichteinfall.
  • Die Straßenverkehrsordnung schreibt vor, einen Hund im Auto ausreichend zu sichern - wer dies missachtet, dem droht ein Bußgeld. Der Hund sollte immer hinten Platz finden, entweder im Kofferraum in einer stabilen Transportbox oder gut gesichert durch ein Trenngitter; alternativ gesichert durch einen speziellen Hunde-Anschnallgurt auf dem Rücksitz.
  • Falls der Hund am Fenster sitzt, sollte dies geschlossen sein, um Bindehautentzündungen zu vermeiden.
  • Manche Hunde sind „satt“ wesentlich ruhiger und dösen eher vor sich hin, andere Tiere neigen bei vollem Magen zur Übelkeit. In diesem Fall sollte die letzte Mahlzeit mehrere Stunden vor der Abfahrt gegeben werden, die nächste erst wieder am Urlaubsort.
  • Wasser muss immer ausreichend zur Verfügung stehen - der nächste Stau kommt bestimmt!
  • Legen sie regelmäßig Pausen ein, möglichst verbunden mit einem kleinen Spaziergang.
  • Lassen Sie Ihren Hund nie im geschlossenen Auto zurück, da selbst bei geöffnetem Fenster die Luftzirkulation nicht ausreichend ist. Das Wärmeempfinden fällt wegen des Fells 10 bis 15 °C höher aus bei uns, und sehr schnell kann dies zu einem Hitzschlag führen.

Bahn-, Flug- und Schiffsreisen

In der Bahn dürfen kleine Hunde etwa bis zur Größe einer Hauskatze in einem Transportbehältnis kostenfrei mitgenommen werden. Ohne Transportbox oder bei größeren Hunden muss eine Fahrkarte zum halben Normal- oder Sparpreis gelöst werden. Voraussetzung ist zudem, dass Hunde angeleint sind und einen Maulkorb tragen.

Bei Flugreisen versuchen Sie immer einen Direktflug zu bekommen, um unnötigen Stress für das Tier zu vermeiden. Kleinere Hunde, meist bis zu einem Gewicht von fünf Kilogramm einschließlich der Transportbox, dürfen in der Regel als Handgepäck mitgeführt werden. Beachten Sie dafür im Vorfeld die individuellen Bedingungen der Fluggesellschaft; manche verbieten die Mitnahme von Tieren auch ganz. Buchen Sie Ihren Flug möglichst früh, da oft nur eine begrenzte Zahl an Tieren in der Kabine mitgeführt werden darf.

Größere Hunde werden im Flugzeug-Frachtraum in einer Transportbox untergebracht, die sie selbst im Fachhandel kaufen müssen. Schreiben Sie auf die Box deutlich - nach Möglichkeit mehrsprachig - dass es sich um den Transport eines lebenden Tieres handelt. An der Box befestigen Sie zudem eine Mappe mit allen wichtigen Unterlagen sowie Ihrem Namen und Anschrift. Wenn der Hund längere Zeit in der Box bleiben muss, kann man sich zuvor vom Tierarzt Beruhigungsmittel für das Tier geben lassen. So lässt sich die Geräuschkulisse im Frachtraum für die Hunde besser ertragen.

Nicht auf jedem Schiff sind Tiere zugelassen; Kreuzfahrtschiffe lassen meist keine Tiere an Bord. Sind Tiere gestattet, klären Sie im Vorfeld ab, wie die Tiere untergebracht werden müssen, wo sich der Hund bewegen und ggf. sein Geschäft verrichten darf. Auf Fährlinien dürfen Tiere häufig die Box oder das Auto nicht verlassen, was in praller Sonne zur Tortur für das Tier werden kann - das sollte man seinem Tier für einen Kurzurlaub nicht zumuten.

An die Leine nehmen

In vielen Urlaubsorten oder -ländern gibt es eine generelle Leinenpflicht. Unabhängig davon sollte man den Hund nicht nur bei Pausen während der An- und Abreise, sondern auch in den ersten Tagen am Urlaubsort nur angeleint laufen lassen. In ungewohnten Umgebungen ist das Risiko größer, dass das Tier in unerwarteten Situationen nervös reagiert und wegläuft, selbst wenn man dieses Verhalten von daheim gar nicht kennt. Die zeitraubende Suche nach dem verschwundenen Tier kann dann nicht nur die gesamte Urlaubsplanung durcheinander bringen, sondern im schlimmsten Fall auch ein trauriges Ende finden. Und - mehr noch als Zuhause – ist auch die vorherige Registrierung der Tiere in einer Datenbank wie beispielsweise Tasso e.V. unbedingt notwendig. Läuft der Hund am Urlaubsort oder während der Anreise davon, kann das Tier möglicherweise schneller wiedergefunden werden.

Noch ein wichtiger, abschließender Hinweis: keinesfalls können unsere Reise-Ratschläge die ausgiebige persönliche Recherche hinsichtlich des Reiseziels ersetzen, denn zu unterschiedlich sind die Gegebenheiten vor Ort. So war es in Dänemark bis 1. Juli 2014 Grundbesitzern gemäß eines antiquierten Gesetzes noch erlaubt, Hunde abzuschießen, die auf deren Eigentum herumstreunen; mittlerweile dürfen Hundehalter, deren Hunde zum wiederholten Mal auf fremden Grundstücken umherstreunen, „nur noch“ mit einem Bußgeld von bis zu 270 Euro belangt werden. Dieses Beispiel zeigt exemplarisch, wie wichtig es ist, sich vor Reiseantritt über die Gesetze und Vorschriften des Urlaubslandes zu informieren.

 

ARKO 3Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 3, Juli 2014.