schatten katzeBekanntlich haben Katzen ihren eigenen Kopf - das spürt man auch ganz besonders, wenn dem Haustiger plötzlich ein Artgenosse vor die Nase gesetzt wird. Katzen sind Gewohnheitstiere und misstrauen zunächst jeder Veränderung. Die nachfolgenden Tipps helfen dabei, die Zusammenführung erfolgreich zu meistern.

Von Lurleen Kleinewig

Was bei der Zusammenführung zweier Katzen zu beachten istEine erfolgreiche Zusammenführung beginnt mit der sorgfältigen Auswahl der Zweitkatze, die hinsichtlich ihrer Charaktereigenschaften und ihres Alters zu der Erstkatze passen muss. So wird sich eine Ruhe und Gemütlichkeit liebende ältere Katze kaum mit einem quirligen, verspielten Jungtier anfreunden. Wer unbedingt Katzenkinder aufnehmen möchte, der sollte dies immer paarweise tun, damit sich die Altkatze ggfs. zurückziehen und die wilden Jungspunde sich selbst überlassen kann. Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: oft - nicht immer - harmonieren reine Kater- oder Kätzinnengruppen besser als gemischte Paare.

Am Anfang Trennung

Keinesfalls dürfen Sie die neue Katze sofort mit der Erstkatze zusammenlassen. Dies kann zu ernsthaften Irritationen und Stress auf beiden Seiten führen und im schlimmsten Fall die Grundlage für ein friedliches Miteinander bereits im Keim ersticken. Halten Sie stattdessen den Neuling zunächst einige Tage lang in einem separaten, abschließbaren Zimmer, natürlich mit Futter- und Wassernapf und einer Katzentoilette (mit vertrauter Einstreu). Außerdem müssen Gelegenheiten zum Verstecken, zum Krallenwetzen (Kratzbrett oder -baum) und zum Klettern sowie mindestens zwei gemütliche Schlafplätze vorhanden sein. Sinn dieser Separierung ist es, dem Neuzugang die langsame Eingewöhnung zu ermöglichen, ohne ihn sofort durch ein zu großes Raumangebot zu überfordern. Gleichzeitig kann sich auch die Altkatze auf der anderen Seite der Tür allmählich an den Umstand gewöhnen, dass ein „Neuer“ im Haus ist, ohne sich mit diesem sogleich direkt auseinandersetzen zu müssen.

Eine Alternative zu einem verschlossenen Raum ist eine Gittertür, die anstelle der üblichen Tür vorübergehend in den Rahmen eingesetzt wird. Die Katzen können sich dann durch das Gitter sehen und riechen, ohne dass die Gefahr von Kämpfen besteht; und sie können sich auf ihrer Seite zurückziehen, ohne von der jeweils anderen Katze belästigt zu werden. Die Gittertür bleibt so lange im Einsatz, bis die Katzen keine Anzeichen von Aufregung oder Aggression mehr zeigen. Derartige Türen lassen sich übrigens mit Hilfe einiger Holzlatten und eines Katzennetzes mit relativ wenig Aufwand und Kosten selber bauen.

Geduld ist gefordert

Zeigt die Gewöhnungsphase die erhoffte Wirkung, kann man die Tiere zusammenlassen - vorerst stundenweise unter Aufsicht. Nachts oder wenn niemand zum Beaufsichtigen vor Ort ist, werden die Katzen wieder getrennt; ebenso, wenn Streitigkeiten oder andere Probleme wie etwa stressbedingte Unsauberkeit auftreten. Oft dauert es nur Tage oder Wochen, bis die Tiere einander akzeptieren; in seltenen Fällen kann sich eine Vergesellschaftung aber auch über Monate hinziehen.

Berücksichtigen Sie während dieser Phase unbedingt die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Katze. In den ersten Wochen sollte Ruhe im Haus herrschen. Regelmäßige Besuche im separaten Bereich und das Anbieten von Streichel- und Spieleinheiten, um eine Bindung aufzubauen, sind ebenso wichtig wie das Einhalten von Ruhezeiten.

Keinesfalls darf das Tier bedrängt werden, wenn es nicht von sich aus den Kontakt sucht; insbesondere bei sehr scheuen oder bereits etwas älteren Katzen. Nur bei Jungkatzen verhält es sich eher umgekehrt: sie suchen von sich aus intensiv die Nähe von Artgenossen und/oder Menschen.

Im Normalfall kann man im Laufe der Tage und Wochen beobachten, wie sich die Tiere akzeptieren, nach und nach ihren Status klären und möglicherweise zu den dicksten Freunden werden. Falls nicht, so werden sie sich zumindest bald tolerieren. Bleiben Sie geduldig, wenn sich die Erfolge nicht sofort einstellen - Katzen sind nun mal so.

 

ARKO 3Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 3, Juli 2013.