schatten katzeJunge Kätzchen bringen uns durch ihre Tapsigkeit und ihre drolligen Spielereien zum Lächeln. Dass Katzenkinder aber besondere Ansprüche hinsichtlich Haltung und Fütterung stellen, wird von Katzenhaltern oft unterschätzt. Die folgenden Ratschläge sollen mit den wichtigsten Bedürfnissen vertraut machen und vor Fehlern - mit bisweilen schwerwiegenden Folgen – bewahren.

Von Lurleen Kleinewig

Entgegen weitläufiger Meinung sollten Katzenkinder nicht bereits mit acht oder gar sechs Wochen von Mutter und Geschwistern getrennt werden. Denn zwischen der achten und zwölften Woche liegt eine wichtige Sozialisierungsphase - das Kätzchen lernt innerhalb seiner Familie, was es heißt, eine Katze zu sein und sich als solche zu verhalten. Unterbindet man diesen Prozess, riskiert man Verhaltensstörungen wie Aggressivität gegenüber Menschen und anderen Katzen, Unsauberkeit, Stereotypien usw., die insbesondere bei der erwachsenen Katze kaum noch zu therapieren sind. Aus diesem Grund sollte ein Kitten (engl. für junge Katze) erst ab der zwölften Woche vermittelt werden.

Halten Sie ein Kitten niemals als Einzelkatze. Der Mensch kann den Kontakt zu Artgenossen, das gemeinsame Kuscheln, Spielen und Schlafen nicht ersetzen. Im optimalen Fall nimmt man zwei Geschwisterchen oder ein etwa gleichaltriges, gleichgeschlechtliches Paar gemeinsam auf. Auch die Vermittlung zu einer bereits vorhandenen Katze ist möglich, so lange diese jung, sozial und verspielt  ist. Eine alte oder eigenbrötlerische Katze wird sich von einem übermütigen Kätzchen sehr gestört fühlen, so dass von einer solchen Kombination abzuraten ist.

Bei der Fütterung ist darauf zu achten, dass ein protein- und fettreiches Futter mit einem günstigen Calcium-/Phosphorverhältnis angeboten wird, beispielsweise ein spezielles Kittenfutter oder ein anderes hochwertiges Nassfutter. An Trockenfutter sollte man junge Katzen gar nicht erst gewöhnen. Besser ist es, zwischendurch etwas rohes (!) Fleisch mit Knochen (z. B. rohe Hühnerflügel) oder ganze Beutetiere wie Eintagsküken füttern. Vorsicht ist bei rohem Schweinefleisch angebracht, durch das die für Katzen tödliche Pseudowut (Aujeszky-Krankheit) übertragen werden kann (auch wenn Deutschland mittlerweile als Pseudowut-frei gilt). Junge Katzen dürfen so viel fressen, wie sie mögen; später wird die Futtermenge dann auf den individuellen Erhaltungsbedarf eingependelt, der von Katze zu Katze verschieden ist.

Das Thema Gesundheitsvorsorge ist bei Katzenkindern besonders wichtig. Bei sehr jungen Kätzchen ist das Immunsystem noch instabil, so dass etwa Infekte durch Viren oder Bakterien eine ernsthafte Gefahr darstellen können. Bei Durchfall, Erbrechen, Schnupfen und unklaren Beschwerden wie Mattigkeit und Fressunlust ist sofort ein katzenerfahrener Tierarzt aufzusuchen. Warten Sie keinesfalls ab, ob sich der Zustand des Tieres von selbst bessert.

Ab der achten Lebenswoche muss die Katze selbstverständlich die notwendigen Impfungen erhalten und mehrfach entwurmt werden; die nötigen Einzelheiten erfahren Sie von Ihrem Tierarzt. Sowohl männliche als auch weibliche Tiere sollten alsbald kastriert werden; Frühkastrationen sind bereits ab dem vierten Lebensmonat ohne negative Auswirkungen auf Verhalten oder Entwicklung der Tiere möglich. Es ist weder nötig noch ratsam, bei Kätzinnen die erste Rolligkeit abzuwarten.

Es bedarf keiner großen Anstrengung, diesen „Ratschlägen für Katzenkinder“ zu folgen. Ihr Kätzchen kann  glücklich und gesund aufwachsen und wird Ihnen dafür dankbar sein.

Jungkatzen aus dem Tierheim

Die aus unserem Tierheim vermittelten Kätzchen werden – anders als nebenstehend empfohlen - häufig bereits vor der zwölften Woche abgegeben. Dies ist auf die besonderen Umstände im Heim zurückzuführen. Verwilderte Katzenmütter prägen ihre Kitten hinsichtlich des Menschen oft falsch, während gleichzeitig allein durch das Tierheimpersonal keine ausreichende Gewöhnung an die Menschen erfolgen kann. Und nicht zuletzt ist bei beengten Verhältnissen im Tierheim eine zu große Anzahl von Katzenkindern für die Tiere ebenfalls nicht optimal. Wir legen aber bei vorzeitig vermittelten Katzenkindern Wert darauf, dass diese in ihrem neuen Zuhause nicht alleine gehalten werden.

 

ARKO 4Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 4, Dezember 2014.