Tiere sind keine "Sonnenanbeter" - Hund, Katze und Co. können sich im Unterschied zum Menschen nicht durch Schwitzen über die Haut abkühlen, sondern allein durch Trinken, Hecheln oder das Ausweichen an einen kühleren Ort. Obwohl diese Tatsache allgemein bekannt ist, sterben jährlich unzählige Tiere den Hitzetod.

Von Steve Niewisch

Tierisch durch den WinterGrundsätzlich gilt für jede Tierart: eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr - jederzeit gewährleistet, d.h. auch unterwegs - ist ebenso wichtig wie ein Schattenplatz, an den sich das Tier zurückziehen kann. Während Hunde und Katzen sich diese Plätze selbst suchen können, wird dies bei Käfig- oder Gehegetieren manchmal vergessen - mit fatalen Folgen.

Das Auto als Backofen

Auf gar keinen Fall dürfen Hunde und andere Tiere alleine im Auto gelassen werden, auch nicht für wenige Minuten. Selbst bei bewölktem oder schwülem Wetter ohne direkte Sonneneinstrahlung steigt die Temperatur im parkenden Auto rasch auf unerträgliche 50 Grad und mehr an, das Fahrzeuginnere wird zum Brutkasten. Die Folgen sind Übelkeit und Kreislaufprobleme, im schlimmsten Fall sterben die Tiere durch die Überhitzung qualvoll an Kreislaufversagen oder irreparablen Organschäden. Ein geöffnetes Schiebedach oder ein nur ein Spalt breit geöffnetes Fenster - häufig dahergebrachte Rechtfertigungen - sorgen in keinem Fall für ausreichend Abkühlung. Auch dass die Sonne wandert, wird oft vergessen: im Schatten abgestellte Fahrzeug stehen nach kurzer Zeit wieder in der prallen Sonne. Kurz: wer aus Bequemlichkeit sein Tier im Auto belässt, setzt dessen Leben aufs Spiel.

Hitzeschlag: Warnsignale erkennen, richtig handeln

Glasiger Blick, tiefrote Zunge und Hecheln mit gestrecktem Hals sind ernste Anzeichen dafür, dass Hund oder Katze die Hitze zu sehr zusetzt. Hinweise auf einen gefährlichen Hitzeschlag sind Erbrechen, Gleichgewichtsstörungen und schließlich Bewusstlosigkeit. In diesem Fall muss das Tier sofort an einen kühleren Ort gebracht werden, der Körper mit nur mäßig kühlem Wasser gekühlt werden. Auch das dringend notwendige Trinkwasser darf nicht eiskalt sein. Anschließend bringen Sie Ihr Tier unbedingt zum Tierarzt - selbst dann, wenn sich sein Zustand nach den genannten Maßnahmen scheinbar verbessert hat. Ein Hitzeschlag ist ein Notfall!

Übrigens: wenn sie einen Hund sehen, der im warmen Auto eingesperrt ist, rufen Sie die Polizei – möglicherweise retten Sie dem Tier damit das Leben.

Das Gassigehen mit dem Hund soll in die kühleren Morgen- und Abendstunden erfolgen; obendrein sind schattige Waldgebiete gegenüber sonnigen Freiflächen zu bevorzugen. Selbst wenn Ihr Hund das Laufen am Fahrrad gewöhnt ist, verzichten Sie auf diese Anstrengung bei zu großer Hitze. Vielen Hunde begeistern sich auch für ein nasses T-Shirt am Leib, das während des Spaziergangs den Körper kühlt. Bei manchen hautempfindlichen, hellen Hunden ist das Eincremen mit Sonnencreme auf Nasenspitze und Ohren nötig, um den Hund vor Sonnenbrand zu schützen - der Tierarzt gibt Ihnen dazu individuelle Ratschläge.

Nager & Vögel

Gleichermaßen dürfen natürlich auch Käfigtiere innerhalb der Wohnung sowie Tiere im Außengegehe nicht schutzlos der Sonne ausgesetzt werden. Wer beispielsweise seine Nager – sei es auch nur kurzzeitig – in einem Gehege ohne Schattenplatz unterbringt, tut dies unverantwortlich; bei Meerschweinchen reichen schon 30 Grad für den Hitzetod. Im optimalen Fall können die Tiere in einem entsprechend gestaltetem Gehege selbst entscheiden, ob sie Kühlung brauchen oder nicht. Innerhalb der Wohnung sind geöffnete Fenster oder gar Ventilatoren in Käfignähe wegen der Zugluft grundsätzlich tabu.

Selbstredend muss diesen Tieren ebenfalls stets ausreichend Wasser zur Verfügung stehen. Da sich Bakterien bei Hitze rascher vermehren, muss das Trinkwasser täglich gewechselt werden. Futterreste sind regelmäßig zu entfernen, damit sie in der Wärme nicht verderben. Eiswürfel oder Kühlpads, in ein Handtuch gewickelt, sorgen im Nagergehege für zusätzliche Abkühlung. Und viele Vögel planschen gerne: stellen Sie eine Wasserschale zum Baden zur Verfügung oder verpassen Sie ihnen eine Dusche mittels eines Pumpsprühers für Blumen.

 

ARKO 2Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 5, Juli 2015.