schatten katzeWenn eine Katze plötzlich ihre Toilette meidet und stattdessen an verschiedenen Stellen in der Wohnung ihr Geschäft verrichtet, stoßen Halter schnell an ihre Grenzen. Unsauberkeit bei Katzen ist ein sehr komplexes Thema und kann viele Ursachen haben.

Von Lurleen Kleinewig

Zu der Frage, warum die Katze das tut, gesellt sich schnell wachsender Unmut über die Verunreinigung und Geruchsbelästigung in den eigenen vier Wänden. Wie aber geht man das Problem an und vor allem, was ist zu tun, damit die Katze wieder wie gewohnt ihre Katzentoilette benutzt?

Katzen haben hohe Ansprüche, wenn es um Hygiene geht, insbesondere wenn es sich um Wohnungskatzen handelt, die sich nicht draußen erleichtern können. Grundsätzlich sollten daher von vornherein folgende Aspekte beachtet und in die Tat umgesetzt werden:

  • Es müssen ausreichend Katzentoiletten zur Verfügung stehen. Faustregel: pro Katze eine Toilette plus ein Extra-WC, d.h. bei drei Katzen benötigt man vier Katzentoiletten.
  • Ob die Katze ein WC mit oder ohne Haube bevorzugt, findet man schnell heraus - im Zweifel einfach beides anbieten.
  • Die Katzenstreu muss saugfähig und für die Pfoten von angenehmer Beschaffenheit sein. Vor allem muss die Toilette damit hoch genug befüllt werden, damit die Katze ihre Exkremente ohne Schwierigkeiten zuscharren kann. Der Fachhandel bietet ein breites Sortiment an Katzenstreu, hier heißt es ausprobieren, was Miez am meisten zusagt. In der Regel werden günstige Klumpstreus aus Bentonit gut angenommen; diese bilden feste Klumpen, wenn sie mit Flüssigkeit in Berührung kommen, und binden Gerüche fast vollständig.
  • Es sollte für jeden Katzenhalter selbstverständlich sein, mindestens einmal am Tag die Toilette seines Tieres zu reinigen, sprich Urinklumpen und Kot zu entfernen, bei Bedarf auch mehrmals täglich. Bei Bentonitstreu muss lediglich bisweilen etwas Streu nachgefüllt werden, eine Grundreinigung der Toilette mit heißem Wasser (bitte keine scharfen Reiniger verwenden) sollte jedoch regelmäßig erfolgen.
  • Die Toilette sollte grundsätzlich an einem ruhigen, jederzeit zugänglichen Ort aufgestellt werden, an dem die Katze sich ungestört fühlt.

Sollte die Katze trotz Beachtung der genannten Punkte wiederholt (d.h. mehr als einmal) außerhalb ihrer Toilette Urin und/ oder Kot absetzen, gilt es möglichst schnell herauszufinden, was als Grund dieses Verhaltens in Frage kommt. Man unterscheidet dabei zunächst grob zwischen körperlichen (Krankheit, Unwohlsein, Eintreten der Geschlechtsreife usw.) und psychischen (z.B. Umzug, Veränderungen im Familiengefüge, Mobbing durch andere Katzen) Ursachen.

Auch die Art des Urin- bzw. Kotabsatzes spielt hierbei eine Rolle - uriniert die Katze auf horizontale oder vertikale Flächen, wählt sie offensichtliche oder versteckte Plätze für ihre Notdurft, bevorzugt sie bestimmte Unterlagen oder Orte wie das Bett oder frische Wäsche, wird nur Urin oder nur Kot oder gar beides außerhalb der Toilette abgesetzt? Macht man sich die Einzelheiten bewusst, lässt sich das zugrunde liegende Problem in der Regel besser eingrenzen.

Körperliche Ursachen

An erster Stelle sollte in jedem Fall ein Besuch beim Tierarzt stehen, der die Katze gründlich untersucht. Ein besonderes Augenmerk sollte man dabei auf Harntrakt und Geschlechtsorgane legen. Eine Urinprobe ist deshalb sinnvoll. Oft sind Blasenentzündungen, Nierenerkrankungen sowie Magen-Darm-Infekte, aber (bei unkastrierten Tieren) auch Rolligkeit und Markiertrieb die Ursache für das plötzliche Fehlverhalten.

Jede Art von Schmerzen und Unwohlsein können eine Katze dazu veranlassen, die gewohnte Toilette nicht mehr aufzusuchen. Insbesondere bei Harnwegsinfektionen wird das schmerzhafte Wasserlassen häufig mit dem WC bzw. der Streu in Verbindung gebracht, so dass die Tiere fortan ihre Toilette meiden. Alte oder sehr kranke Katzen schaffen manchmal den Weg zur Toilette nicht mehr, weil ihnen die Kraft fehlt. Hier kann man Abhilfe schaffen, indem man das WC in der Nähe des bevorzugten Liegeplatzes aufstellt sowie für kurze Wege und einen flachen Einstieg sorgt. Das Gleiche gilt für sehr junge Katzen, die oft im Eifer des Spiels den nötigen Toilettengang „vergessen“. Derartige Vorfälle sollte man allerdings als Malheur verbuchen.

Störfaktoren finden und vermeiden

Ist die Katze vom Tierarzt als körperlich gesund befunden worden, muss man von einem anderen Leidensdruck ausgehen, der häufig deutlich schwieriger zu enthüllen ist. Der in diesem Zusammenhang oft benutzte Begriff „Protest“ ist eher selten zutreffend, da es sich in der Regel um ein von der Katze empfundenes Leid handelt. In derartigen Fällen sollte man das gesamte Umfeld der Katze kritisch unter die Lupe nehmen und nach Störfaktoren sondieren. Viele Katzen reagieren empfindlich auf Veränderungen im gewohnten Gefüge, sei es in ihrer menschlichen oder tierischen „Familie“, insbesondere bei Zuwachs oder Verlust innerhalb des bestehenden Sozialverbundes. Auch Unstimmigkeiten im Umgang mit einem einzelnen oder mehreren Familienmitgliedern, Vernachlässigung, Eifersucht, Rivalität, Revierverhalten, Ängstlichkeit, permanente Maßregelung, die Unterbindung wichtiger kätzischer Verhaltensformen und fehlende Rückzugsmöglichkeiten sind mögliche Faktoren, die man bei der Ursachenfindung berücksichtigen sollte.

 

ARKO 5Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 5, Juli 2015.