Wer in Niedersachsen einen Hund hält, ist seit dem 1. Juli 2013 verpflichtet, in Theorie und Praxis nachzuweisen, dass er dazu auch tatsächlich in der Lage ist. Das entsprechende Gesetz will einerseits eine artgerechte Haltung des Tieres fördern und gleichzeitig sicherstellen, dass der Halter seinen Hund auch in Alltagssituationen in der Öffentlichkeit verlässlich im Griff hat.

Von Steve Niewisch

„Wer einen Hund hält, muss die dafür erforderliche Sachkunde besitzen. Sie ist der Gemeinde auf Verlangen durch die erfolgreiche Ablegung einer theoretischen und einer praktischen Sachkundeprüfung nachzuweisen.“ – mit diesen Worten fordert das Niedersächsische Gesetz über das Halten von Hunden, kurz NHundG, von jedem Hundebesitzer einen Nachweis darüber, dass er fähig ist, artgerecht mit seinem Tier umzugehen.

Die theoretische Sachkundeprüfung ist bereits vor der Aufnahme der Hundehaltung, die praktische Prüfung während des ersten Jahres der Hundehaltung abzulegen. Die Prüfungen werden bei anerkannten Prüfern absolviert. Für die bestandenen Prüfungen erhält der Hundehalter einen entsprechenden Nachweis. Besondere Regelungen, die das Halten gefährlicher Hunde betreffen, bleiben von dem Sachkundenachweis unberührt. Das Halten eines Hundes, der eine gesteigerte Aggressivität aufweist und daher als gefährlich eingestuft worden ist, bedarf einer besonderen Erlaubnis mit entsprechenden Auflagen.

Theoretische Prüfung

Die theoretische Sachkundehalterprüfung ist bereits vor der Anschaffung eines Hundes zu absolvieren. Die Prüfung zielt darauf ab, dass zukünftige Hundebesitzer sich ausgiebig mit der Thematik Hund und seiner artgerechten Haltung auseinandersetzten. Ein vom Niedersächsischen Ministerium ausgearbeiteter Fragekatalog soll nachweisen, dass der Hundehalter die erforderlichen Kenntnisse über

  • die Anforderungen an die Hundehaltung unter Berücksichtigung des Tierschutzrechts,
  • das Sozialverhalten und die rassespezifischen Eigenschaften,
  • das Erkennen und Beurteilen von Gefahrensituationen,
  • das Erziehen und Ausbilden und
  • die Rechtsvorschriften für den Umgang mit Hunden

besitzt. Jede Prüfung besteht aus insgesamt 35 Fragen (7 je Themenbereich). Die Fragen sind als Multiple-Choice-Test mit jeweils vier Antwortmöglichkeiten ausgelegt, von denen je eine zutreffend ist. Der Test ist grundsätzlich innerhalb von 45 Minuten zu absolvieren.

Übrigens: im Internet finden Sie auf mehreren Websites Beispielfragen für die Sachkundeprüfung, unter anderem auch auf der Seite des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Nur bitte bedenken Sie: eine Hundeanschaffung ist eine weitreichende Entscheidung sowohl für den Halter, als auch für das Lebewesen „Hund“ – es ist beiden nicht damit geholfen, die Fragen für die Prüfung vorher nur auswendiggelernt zu haben.

Praktische Prüfung

Die praktische Sachkundehalterprüfung muss innerhalb von 12 Monaten seit Anschaffung des Hundes abgelegt werden. Durch diese Prüfung soll der Hundehalter nachweisen, dass er die in der Theorie geforderten Kenntnisse im Umgang mit einem Hund gleichermaßen in der Praxis anwenden kann.

Die Prüfungsdauer beträgt in der Regel 60 Minuten, die Inhalte sind auf Alltagssituationen ausgerichtet. Der Hundehalter wird in Situationen wie z.B. beim Gassi gehen mit äußeren Einflüssen (Straße, Begegnung mit Menschen und Hunden) sowie auf Lernvorgänge für den Hund geprüft, beispielsweise das Beibringen bestimmter Kommandos. Entsprechend findet die Prüfung an mindestens zwei unterschiedlichen Orten – verkehrsöffentlicher Raum und ablenkungsarmer Bereich, z.B. eine Grünanlage mit der Möglichkeit zum Freilauf – statt.

Entgegen der häufigen Annahme muss diese Prüfung nicht mit dem eigenen Hund erbracht werden. Denn Ziel ist nicht, den eigenen Hund zu überprüfen, der vielleicht schon perfekt Kommandos ausführt, sondern festzustellen, ob der Hundehalter die Kommunikation von Mensch zu Hund beherrscht. Nicht selten gehen Hundehalter daher mit den falschen Erwartungen in die praktische Prüfung.

Doris Siemens, Hundeerziehungsberaterin und Hundeverhaltenstherapeutin bei der Hundeschule DOGSS in Bad Harzburg, hat dazu ihre eigenen Erfahrungen gemacht: „Bei der Abnahme der praktischen Prüfung stelle ich leider immer wieder fest, dass die Leinenführigkeit der Hund gut beherrscht – und nicht anders herum. Es ist wichtig, die Kommunikation von Mensch und Hund zu verstehen. Bei den üblichen Lehrübungen wird oft zu sehr auf klassische Kondition gesetzt und der Hund dadurch auf ein Lebewesen ohne Lern- und Denkprozesse degradiert – für den Sachkundenachweis ist dies nicht förderlich.“

Ausnahmen für die Prüfungspflicht

Für den geforderten Sachkundenachweis gibt es Ausnahmen. Beispielsweise müssen Tierärzte, Betreuer in Tierheimen, Betreuer von Diensthunden oder Personen, die einen Blindenführhund besitzen, diese Prüfungen nicht ablegen – entsprechender Nachweis vorausgesetzt.  Darüber hinaus sind auch jene Hundehalter befreit, die innerhalb der letzten zehn Jahre vor der Aufnahme der Hundehaltung über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren ununterbrochen einen Hund gehalten haben.

Vorbereitungskurse

Wer sich intensiver auf die Prüfungen vorbereiten möchte, kann dies mit dem Seminar „Erst der Kurs, dann der Hund“ machen, welches von der Volkshochschule Goslar in Kooperation mit dem Tierschutzverein Goslar angeboten wird. Dieser Kurs richtet sich an alle jene, die vor der Anschaffung eines Hundes erste Grundkenntnisse für einen entspannten und konfliktfreien Start mit dem eigenen Tier erlangen möchten. Ein praktischer Teil mit Vorführungen von Hunden verschiedenster Rassen und Größen durch die Kursleiterin findet u.a. im Tierheim Goslar statt. Nach dem Besuch dieses Kurses können Sie sich direkt zur Sachkundehalterprüfung anmelden.

 

ARKO 6Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 6, Dezember 2015.