In der jüngsten Vergangenheit häufen sich die Fälle von mit Gift oder mit gefährlichen Gegenständen (Rasierklingen, Nägeln, Metallteilchen) präparierten Ködern. Hundehasser legen diese Köder aus, um den Tieren zu schaden oder deren Tod zu provozieren. Wir erklären, wie man sich vor der Gefahr schützen kann und wie Sie Ihrem Hund im Ernstfall helfen.

Von Steve Niewisch

Todbringende Leckerlies: Zunahme von präparierten Ködern in unserer RegionDie Polizei hat in der jüngeren Vergangenheit fast wöchentlich vor neu aufgefundenen Ködern gewarnt. Diese wurden in beinahe allen Kommunen unserer Region entdeckt. Als Träger werden gerne Hackfleisch, Wurst oder ähnlich für den Hund Schmackhaftes verwendet. Ob der Köder vergiftet oder präpariert ist, lässt sich äußerlich oft nicht erkennen.

Frisst ein Tier einen solchen Köder, kommt oft jede Hilfe zu spät, die Hunde oder gegebenenfalls Katzen sterben qualvoll. Aber auch für Kinder stellen diese Köder eine große Gefahr dar, besonders dann, wenn sie in Parks oder bei Spielplätzen ausgelegt sind. Ob Hundehasser dieses Risiko bewusst in Kauf nehmen oder ausblenden, lässt sich schwer sagen; es unterstreicht aber das Ausmaß dieses kaum nachvollziehbaren Tuns.

Vorsicht beim Spaziergang

Giftköder werden meist dort ausgelegt, wo Hundehalter bevorzugt ihre Tiere ausführen, z.B. in Parks, Grünanlagen etc.  Falls Giftköder bereits in Ihrer Umgebung aufgetaucht sind, meiden sie diese Gebiete vorsichtshalber. Rechnen Sie damit, dass nicht ertappte Hundehasser es immer wieder probieren werden.

Wenn Sie Ihren Hund ausführen, achten Sie darauf, dass er nichts frisst, was auf dem Boden oder versteckt im Gebüsch liegt. Beobachten Sie Ihr Tier stets aufmerksam, besonders dann, wenn es etwas zu wittern scheint. Wenn Sie das Tier frei laufen lassen, passen Sie auf, dass das Tier in Sichtnähe bleibt. Wurde bereits vor Giftködern gewarnt, führen Sie Ihren Hund nur an einer Leine oder lassen Sie ihn einen Maulkorb tragen. Leider ist Ihr Tier aber auch im heimischen Garten nicht sicher: längst sind Fälle bekannt, wo Köder auf eingezäunten Privatgrundstücken abgelegt wurden.

Verdächtige Vorfälle und Funde melden Sie unbedingt der örtlichen Polizei. Sie kann durch entsprechende offizielle Meldungen weitere Tierhalter warnen.

Der Ernstfall

Falls der Hund einen Köder mit Scherben, Rasierklingen oder ähnlichem gefressen hat, bemerken Sie dies meist sofort am Blut im Maul. Hier ist absolute Eile geboten: oft hilft nur eine umgehende Notoperation.

Bei vergifteten Ködern ist die Diagnose schwieriger, da die Symptome oft verzögert auftreten und je nach Gift und Konzentration sowie Größe und Gewicht des Tieres sehr unterschiedlich sind. Anzeichen einer Vergiftung können sein:

  • Unruhe
  • starkes Speicheln
  • schwankender Gang, Torkeln
  • Erbrechen
  • Durchfall
  • ungewöhnliche Pupillengröße (stark verengt oder auffallend erweitert)
  • blasses Zahnfleisch
  • Blut im Urin, Stuhlgang oder Erbrochenem; Nasenbluten
  • Krämpfe
  • Schmerzsymptome im Bauchraum, angezeigt durch einen "Katzenbuckel" oder die Gebetsstellung
  • Muskelzittern
  • Lähmungserscheinungen
  • Apathie
  • Bewusstlosigkeit

Eine eindeutige Diagnose kann nur der Tierarzt stellen. Die Wirkungsdauer ist je nach Gift unterschiedlich, nicht immer machen sich die Symptome sofort bemerkbar. Bei Rattengift können erste Symptome auch erst nach Tagen auftreten. Eile ist jedoch auf jeden Fall angebracht.

Sofort zum Tierarzt!

Suchen Sie also bei Verdacht sofort einen Tierarzt auf! Ggf. rufen Sie den Arzt unmittelbar an, schildern Sie die Symptome und kündigen Sie Ihren Notfall an. Bestätigt sich die Vergiftung ihres Tieres, sind die Chancen umso besser, je früher die Behandlung beginnt.

Eigenmächtige Behandlungsversuche, die über Erste-Hilfe-Maßnahmen hinausgehen, unterlassen Sie unbedingt – im Ernstfall kostet das zu viel Zeit oder kann die Situation verschlimmern. Bringen Sie das Tier auch nicht zum Erbrechen. Ätzende Gifte schaden dem Rachen; scharfe Gegenstände vergrößern die Verletzung, Erbrochenes könnte die Atemwege blockieren. Im Internet finden sich weitere Behandlungsvorschläge, von denen dringend abzuraten ist, da sie oft kaum praktikabel sind oder sogar lebensgefährlich sein können.

Sammeln Sie möglichst die Reste des Giftköders oder evtl. Erbrochenes ein, da dies ggf. bei der Bestimmung des Giftes und der daraus abgeleiteten richtigen Behandlung helfen kann. Verwenden Sie dabei Handschuhe oder einen Beutel, um den Hautkontakt zu vermeiden.

Rechtliche Betrachtung

Gemäß Paragraph 1 des Tierschutzgesetzes darf niemand einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen. Derjenige, der entsprechende Köder auslegt, begeht je nach Umständen eine Straftat nach Paragraph 17 (Freiheitstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe) oder eine Ordnungswidrigkeit nach Paragraph 18 (Geldbuße in Höhe von bis zu 25.000 Euro). Darüber hinaus kann ein geschädigter Hundebesitzer auch auf zivilrechtlichem Wege Schadensersatzansprüche gegen den Täter geltend machen.

Auch aus diesem Grunde ist es wichtig, dass betroffene Tierhalter Strafanzeige bei der Polizei erstatten und sich dabei auf Paragraph 17 und 18 des Tierschutzgesetzes beziehen. Dabei hilft es, wenn die Köder gesichert wurden, Fotos des ausgelegten Giftes gemacht wurden oder etwaige Zeugen benannt werden können.

Übrigens: sollten Nachbarn unter dem Vorwand der Schädlingsbekämpfung beispielsweise Rattengift auslegen, machen Sie diese darauf aufmerksam, dass dieses nur in entsprechenden Köderboxen geschehen darf. Bestimmte Rattengifte dürfen sogar nur noch von Personen mit entsprechendem Sachkundenachweis angewendet werden.

Vorbeugende Maßnahmen

Generell sollten Hundehalter mit den wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen für Tiere vertraut sein; entsprechende Informationen dazu finden Sie im Internet. Dazu gehört selbstverständlich auch, dass Sie immer die Telefonnummer Ihres Tierarztes sowie der nächsten Tierklinik parat haben. Eine Übersicht über Veterinäre in unserer Region finden Sie hier.

Hunde kennen kaum Sättigungsgefühl und fressen, was sie finden. Abtrainieren lässt sich das nicht, aber Sie können versuchen, Ihren Hund dahingehend zu erziehen, dass er auf Spaziergängen nichts zu sich nimmt. Entscheidend ist, dass das Tier ein Abbruchsignal, beispielsweise ein "Nein!", versteht und auf dieses gehorcht. Ebenso kann man dem Tier antrainieren, erst seinen Besitzer "um Erlaubnis zu fragen", bevor er etwas essen darf. Solche speziellen Giftködertrainings bieten einige Hundetrainer an.

Effektiver ist aber ein viel simpleres Vorgehen: wenn Sie sich während des Spaziergangs intensiv mit ihrem Hund beschäftigen, ihn stets im Blick haben, mit Spielen und Aufgaben fordern, sinkt das Risiko, dass er unbeobachtet einen gefährlichen Köder frisst.

 

ARKO 3Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 13, August 2019.