Kaninchen und Meerschweinchen werden gerne als Streicheltiere in der Wohnung gehalten, benötigen aber Auslauf. Eine ganzjährige Haltung in einem größeren Gehege außerhalb des Hauses ist daher durchaus eine empfehlenswerte Alternative, wenn die Voraussetzungen stimmen. Wir geben Tipps, damit die Umgewöhnung gelingt.

Von Steve Niewisch & Deutscher Tierschutzbund e.V.

Ganzjährige Außenhaltung von Kaninchen und MeerschweinchenGrundsätzlich sollen die geselligen Tiere mindestens zu zweit, besser in kleinen Gruppen untergebracht sein. Bedingung für die Außenhaltung ist natürlich ein artgerechtes, für die Anzahl der Tiere ausreichend großes Gehege – je größer, desto besser. Für den Schutz vor der prallen Sonne im Sommer platziert man das Gehege zum Teil im Schatten oder Halbschatten. Im optimalen Fall sollte es auch vom eigenen Wohnhaus aus gut sichtbar sein, damit man seine Tiere stets im Blick hat.

Ob der Untergrund aus Naturboden (Erde), Sand, Rindenmulch, Stroh/Heu oder gar Gehwegplatten bestehen soll, hängt vor allem mit der Größe des Geheges, dem Wetterschutz und dem Pflegeaufwand zusammen. Entsprechende umfassende Ratgeber finden sich im Internet.

Das Gehege muss natürlich ausbruchsicher sein und ebenso Schutz vor dem Eindringen von Mardern oder Füchsen bieten. Dabei ist auch die Sicherung nach unten zu berücksichtigen, beispielsweise durch eingegrabenen Gehegedraht oder Steinplatten, damit sich weder die eigenen Tiere, noch gefährliche Jäger von außen durch den Untergrund buddeln können. Auch nach oben hin ist die Anlage abzusichern.

Wetterfeste Schutzhütten sind selbstverständlich. Die häufig in Märkten oder im Internet angebotenen kleineren Fertiglösungen sind jedoch nur mangelhaft isoliert. Sofern diese Hütten ohne weiteren Schutz im Freien stehen, ist es ratsam, mit etwas handwerklichem Einsatz die Hütten zusätzlich zu isolieren oder Dachüberstände zu verlängern, um den Regen fernzuhalten.

Zeitpunkt zur Umgewöhnung

Die Kaninchen und Meerschweinchen gewöhnt man im Frühjahr an die ganzjährige Haltung im Freien. Damit kann man beginnen, sobald die Nächte keinen Bodenfrost mehr aufweisen – laut den Bauernregeln dient hier der Gedenktag der „kalten Sophie“ (15. Mai), der letzte der Eisheiligen, als Anhaltspunkt. Werden die Tiere so früh an die Außenhaltung gewöhnt, können sie von da an auch das ganze Jahr über draußen leben und haben  genügend Zeit, sich langsam an wechselnde Außentemperaturen zu gewöhnen, wenn der Winter naht.

Spätere Umgewöhnungen, etwa im Sommer, sind nicht ideal. Ab September ist es dann zu spät für die Umgewöhnung an die ständige Außenhaltung. Mütter mit Jungtieren sowie kranke Tiere pflegt man in der Regel allerdings das ganze Jahr über besser drinnen.

Umstellung beim Futter

Mit der Haltung im Freien ändert sich auch das Futter. Dr. Henriette Mackensen, Leiterin des Heimtierreferats beim Deutschen Tierschutzbund, empfiehlt: „Damit es durch frisches Gras nicht zu einem abrupten Futterwechsel und möglichen Verdauungsproblemen kommt, sollte man schrittweise vorgehen und die Tiere im Haus zunächst an Frischfutter gewöhnen. Gehört frisches Gras sowieso zum täglichen Fütterungsrepertoire, kann man diesen Schritt überspringen und die Tiere stundenweise nach draußen setzen – irgendwann dann auch über Nacht.“.

Wichtig sind natürlich ausreichend viele Wasser- und Futternäpfe, deren Inhalt regelmäßig zu überprüfen und bestenfalls täglich zu ersetzen ist. Da sich in Kotverschmutzungen am After bzw. am Hinterteil der Tiere draußen schnell Fliegenmaden einnisten können, sollte man auch dies regelmäßig kontrollieren und bei Durchfall sofort den Tierarzt aufsuchen.

Im Winter

Im Winter muss man die Schlafstellen zusätzlich mit Zeitungspapier und viel frischem Heu und Stroh füllen und immer trocken halten. Die Temperatur in der Schutzhütte sollte nicht unter null Grad fallen. In sehr kalten Nächten kann dabei ein untergelegtes Wärmekissen helfen. Der Auslauf muss auch im Winter – selbst bei Schneefall – möglich sein, damit sich die Tiere durch Laufen und Toben aufwärmen können.

Bei extrem niedrigen Temperaturen im Winter friert das Wasser in Tränken und Schalen schnell ein, so dass die Trinkstellen am besten mehrmals täglich kontrolliert werden. Übrigens gefriert warmes Wasser schneller als Kaltes, also ist nicht förderlich, das Trinkwasser leicht anzuwärmen.

 

ARKO 4Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 14, Dezember 2019.