Eine Scheidung ist grundsätzlich eine konfliktbelastete Angelegenheit, sobald der Streit um Eigentum, Kinder und – ja, um die Haustiere beginnt. Denn meist ist das Tier ein von beiden Partnern liebgewonnenes Familienmitglied, das sich nun mal nicht aufteilen lässt.

Von Steve Niewisch

Grundsätzlich werden Haustiere bei einer Scheidung im deutschen Recht wie Gegenstände betrachtet. Entsprechend gilt nach § 1361a Bürgerliches Gesetzbuch (BGB): Wurde das Tier von den Ehepartnern während der gemeinsamen Lebensteilung angeschafft, zählt es automatisch zum gemeinsamen Hausrat, der gleichmäßig auf die Parteien aufgeteilt werden soll. Wurde das Tier bereits mit in die Ehe eingebracht, hat der andere Partner generell keinen Anspruch.

Ein Tier im Wortsinn „aufzuteilen“ ist zweifelsfrei keine gute Idee. Im Idealfall sollten Hund oder Katze nicht zum Streitthema werden, da dieser Konflikt nicht ohne Verlierer ausgehen wird. Vernünftig wäre es, das Tier jenem Partner zu überlassen, der es nach der Trennung besser umsorgen kann, beispielsweise weil es die beruflichen Verpflichtungen zulassen. Gleiches gilt, wenn zwischen Tier und einem der Partner eine offensichtlich besonders innige Beziehung besteht oder sich bis dahin vorrangig auch nur eine Partei intensiv um das Tier gekümmert hat.

Lässt sich keine einvernehmliche Entscheidung herbeiführen, entscheidet das Gericht. Meist hat dann jener Partner einen Vorteil, der die bisherige hauptsächliche Betreuung und Pflege des Tieres nachweisen kann, beispielsweise dadurch, dass er überwiegend für die Tierarzt- oder Futterkosten aufgekommen ist. Das Wohl des Tieres spielt dabei keine wesentliche Rolle, d.h. es ist unbedeutend, bei welchem Partner das Tier künftig besser untergebracht ist.

Sind mehrere Tiere betroffen, so kann im Sinne einer "gerechten" Aufteilung eine Trennung der Tiere veranlasst werden. Gerichte haben entschieden, dass die Trennung für die Tiere zumutbar ist, da sie nicht derart aneinander hängen, wie es vielleicht zwei Kinder tun würden.

Nach der Trennung

Ein Umgangsrecht wie bei Kindern gibt es bei Haustieren nicht. Ebenso können in der Regel keine Unterhaltsansprüche für den 'Gegenstand Tier' geltend gemacht werden – wer das Tier behält, muss künftig allein für die Kosten aufkommen. Eigene Vereinbarungen über den gemeinsamen Umgang mit dem Trennungstier, beispielsweise ein „Besuchsrecht“ oder ein „geteiltes Sorgerecht“,  können getroffen und festgehalten werden, sind jedoch nicht rechtsverbindlich.

Das Tierwohl im Mittelpunkt

Unabhängig von dieser rechtlichen Betrachtung darf niemals verdrängt werden, dass auch Haustiere von einer Trennung direkt betroffen sind. Wenn mit der Trennung eine lautstarke Streitphase einhergeht, belastet das gleichermaßen die Haustiere, besonders Katzen. Und während sich nach der Trennung Hunde generell relativ leicht an die neuen Gegebenheiten anpassen, leiden Katzen darunter, wenn eine Bezugsperson fehlt; die Bezugsperson ist sogar wichtiger als der gewohnte Ort. Scheidende Paare sollten daher – bei allem Streit und Frust –  in dieser schwierigen Phase das Wohl ihrer Vierbeiner nicht aus den Augen verlieren und ihre Entscheidungen grundsätzlich im Sinne des Tieres fällen.

 

ARKO 8Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 14, Dezember 2019.