Offizielle Einladung zur Eröffnung des Tierheims im Jahr 1985Am Mittwoch, 22. Mai 1985, wurde unser Tierheim Goslar in der Clausthaler Str. 34 offiziell eröffnet. Dieser Eröffnung war ein jahrzehntelanger Kampf seitens des Vereins um dieses Heim vorausgegangen. Denn damals war es – wie teilweise noch heute – nicht in jedermanns Bewusstsein verankert, dass Tierschutz eine gemeinnützige und humanitäre Aufgabe im öffentlichen Interesse ist.

Der Tierschutzverein Goslar wurde bereits 1947 von engagierten Goslarer Bürgerinnen und Bürgern gegründet. Gründungsvorsitzender war der Bürgermeister und Stadtforstmeister Alexander Grundner-Culemann. In den Anfängen des Vereins gab es wechselnde Unterbringungsmöglichkeiten für die Tiere, unter anderem Zwingerunterkünfte „Im Schleeke“ und in der Straße „Zum Reitstall“. Diese Zwinger wurden Opfer der Stadtentwicklung, und es wurde stets versäumt, Ersatz zu schaffen.

1966 stellte der Tierarzt Dr. Friedhelm Knorr in seiner Privatpraxis acht Boxen für Tiere bereit. Rasch fanden überwiegend Fundtiere, oft mit deutlichen Spuren von Misshandlungen, Zuflucht in diesen Boxen. Unbürokratisch versuchte der Tierschutzverein, diese Tiere zu vermitteln, jedoch wurde diese Vermittlung der Fundsache „Tier“ vom Amtsrat des Ordnungsamtes als Diebstahl deklariert. Die Forderung des Vereins, den Zustand unbedingt zu ändern und das dringend nötige Tierheim zu schaffen, wurde von den Behörden schlicht „ausgesessen“.

Mitte der 1970er Jahre machten dann auch Bürger mit Rufen nach einem Tierheim mobil, jedoch wurde – in Unkenntnis der rechtlichen Situation – der Tierschutzverein öffentlich für das Fehlen des Tierheims verantwortlich gemacht, nicht etwa die Stadt Goslar, die sich der Sache weiterhin verweigerte.

Ab 1975 wurde von den Vereinsmitgliedern aktiv an der Idee für ein städtisches Tierheim gebastelt – jedoch mit unerwarteten Hürden. Während sich auf der einen Seite eine Bürgerinitiative, die Lärm und andere Belästigungen befürchtete, gegen den geplanten Bau formierte, wurde auf der anderen Seite die Standortsuche zu einer wahren Odyssee. Die Stadt stellte eine Fläche in Ohlhof zur Verfügung, bei der sich dann herausstellte, dass die dortigen Gebäude bereits langfristig vergeben waren. Ebenso wurde eine Fläche auf freiem Feld ausgewiesen, bei der jegliche Infrastruktur fehlte (Wasser, Kanal, Licht, Zufahrt). Selbst der damals amtierende 1. Vorsitzende Dr. Friedhelm Knorr bot ein eigenes Grundstück an, welches jedoch, abermals durch Bürgerproteste begleitet, wieder verworfen wurde. Letztendlich signalisierte die Stadt Goslar obendrein, dass für den Neubau eines Tierheims ohnehin gar kein Geld in der Stadtkasse vorhanden wäre.

Anfang 1980 dann der entscheidende Schritt: dem Verein wird das Grundstück an der Clausthaler Straße angeboten. Die Pläne sind klar umrissen: kein „Kläffzwinger“, kein Tierasyl, sondern ein Hort- und Pensionszwinger im Sinne des Tierschutzes sollte entstehen. Jedoch: auf dem Gelände befand sich bis dato ein Sägewerk, so dass es eines Umwidmungsverfahrens bedurfte. Diesem folgen dann Baugenehmigungsverfahren, Stellungsnahmen seitens Bauamt, Ordnungsamt, Kreisveterinäramt, Gewerbeaufsichtsamt und Nachbarn … Erst fast drei Jahre später, ab Mitte 1983, ist klar, dass das Tierheim tatsächlich entstehen kann.

Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Grundstück bereits seit zwei Jahren (seit September 1981) im Eigentum des Vereins – rückblickend ein mutiger Schritt der agierenden Personen, denn was wäre gewesen, wenn die Genehmigung für das Tierheim nicht erteilt worden wäre?

Mit viel Energie und Fleiß wurde das alte Sägewerk zu einem zeitgemäßen Heim für die Tiere umgebaut. Neben 20 Hundeboxen wurden eine unumgängliche Hygiene-Isolierstation, ein Katzenhaus, Behandlungs-, und Futterräume geplant. Auch erschien es als selbstverständlich, dass der Betreuer des Tierheims im Tierheim wohnen muss, um den untergebrachten Tieren das Gefühl der Geborgenheit zu geben. Am 22. Mai 1985 war man nach einem langen, beschwerlichen Weg endlich am Ziel: das Tierheim wurde eröffnet, die Hartnäckigkeit unserer Vorgänger hat sich letztendlich ausgezahlt.

Das Heim wurde fortan rund 27 Jahre von Michael Billing geleitet, der bis zu seinem Ausscheiden Ende 2011 auch auf dem Gelände wohnte. 27 Jahre rund um die Uhr mit dem Tierheim verbunden und darüber hinaus in der Freizeit für den Tierschutzverein ehrenamtlich aktiv zu sein ist eine Leistung, die unseren allergrößten Respekt verlangt.

Und heute? Dreißig Jahre später? Ist das Jubiläum wirklich ein Grund zum Feiern? Es ist sicher zu begrüßen, dass der Tierschutz endlich in der Verfassung verankert ist, dass der Stellenwert des Tierschutzes höher ist als noch in den 1980er Jahren, und dass die Kommunen wohl endlich begriffen haben, dass sie selbst die gesetzliche Fundtierbehörde sind und dass wir als Tierschutzverein ihre Aufgaben übernehmen. Jedoch bleibt es den Tierschützern noch immer nicht erspart, stets energisch darauf hinweisen zu müssen, dass der Tierschutzverein mit der Führung des Tierheims keine eigenen Interessen, sondern diese originär hoheitlichen Aufgaben übernimmt.

Nach dreißig Jahren können wir festhalten, dass professionell geschultes Personal mit hohem Verantwortungsbewusstsein dafür Sorge trägt, dass es unseren Schützlingen während ihrer Zeit bei uns im Tierheim den Umständen entsprechend gut ergeht, sie adäquat medizinisch versorgt werden und als Mitgeschöpfe behutsam betreut werden. Mittlerweile ist das Tierheim etwas in die Jahre gekommen. Bauliche Maßnahmen im Bereich Quarantäne- und Krankenstation sowie im Bereich des Behandlungsraums, der Brandmeldeanlage, sowie ständige Reparaturen und Instandhaltungen haben den Verein in den letzten Jahren jede Menge Geld gekostet – alles Investitionen, die ohne Spenden aus der Bevölkerung gar nicht möglich gewesen wären. Dafür möchten wir uns in aller Form und im Namen unserer Tiere bedanken.

 

ARKO 2Dieser Artikel erschien erstmals in ARKO, dem Magazin unseres Tierschutzvereins, Ausgabe 5, Juli 2015.